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Lockpicking-Ratgeber: Schlossarten und wie Sie sie öffnen

So öffnen Sie ein Schloss und finden das passende Dietrich-Set

Nach „Wie öffne ich ein Schloss?“ ist das die Frage, die ich am häufigsten höre: „Welchen Dietrich brauche ich für dieses Schloss?“ In diesem Leitfaden erkläre ich Ihnen, welche Werkzeuge Sie zum Picken eines Schlosses brauchen, damit Sie genau wissen, welche Dietriche zu welchen Schlössern passen.

Bevor wir uns ansehen, wie man sie pickt, werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Schlosstypen. Es gibt unzählige Schlösser, deshalb konzentrieren wir uns auf die verbreitetsten: die Typen, denen Sie im Alltag begegnen und die Sie wahrscheinlich schon oft gesehen haben. Gut möglich, dass eines davon das erste Schloss wird, das Sie picken.

Ein wenig kompliziert wird es, weil wir klären müssen, ob wir über den Schließmechanismus oder über das Schlossgehäuse sprechen. Das Wort „Vorhängeschloss“ beschreibt zum Beispiel nur das Gehäuse, und Vorhängeschlösser können mit ganz unterschiedlichen Mechanismen arbeiten. In diesem Leitfaden geht es um den Schließmechanismus, also darum, wie das Schloss innen funktioniert, und vor allem um die Dietriche, die Sie für genau diesen Mechanismus brauchen.

Es gibt viele Spezialmechanismen. Unter denen, die Ihnen im Alltag begegnen und die sich mit Werkzeug picken lassen, gibt es fünf Haupttypen, deren Öffnung Sie lernen können:

  1. Stiftzylinderschlösser

  2. Zuhaltungsschlösser (Lever Locks)

  3. Plättchenschlösser (Wafer Locks)

  4. Buntbartschlösser (Warded Locks)

  5. Scheibenzuhaltungsschlösser (Disc Detainer)

Am Beispiel Vorhängeschloss wird der Unterschied deutlich. Es gibt Vorhängeschlösser mit jedem dieser fünf Mechanismen. Wenn mich also jemand fragt: „Welche Dietriche brauche ich für ein Vorhängeschloss?“, muss ich zuerst wissen, um welches Vorhängeschloss es geht, also welcher Schließmechanismus darin steckt.

Sehen wir uns jeden dieser Mechanismen genauer an: woran Sie ihn erkennen, wie er aufgebaut ist (arbeitet er mit Stiften, Plättchen, Zuhaltungen oder Scheiben) und wie Sie ihn ohne Schlüssel öffnen.

 

STIFTZYLINDER:

Ein Europrofilzylinder mit Stiftzuhaltungen

Stiftzylinderschloss

Der Stiftzylinder ist vermutlich der älteste aller Schließmechanismen. Schon die Pyramiden im alten Ägypten hatten Holzschlösser, die dem heutigen Stiftzylinder sehr ähneln. Populär wurde er aber durch Linus Yale Jr., der das ägyptische Prinzip aufgriff und seinen Stiftzylinder 1851 patentieren ließ. Seine Schlösser waren so erfolgreich, dass viele Stiftzylinder bis heute einfach „Yale-Schlösser“ nennen. Stiftzylinder sind die meistverwendeten Schlösser überhaupt.

Das Prinzip ist einfach. Im Inneren sitzt ein Kern, der sich drehen muss, damit das Schloss aufgeht. Eine Reihe von Stiften blockiert diesen Kern. Die Stifte sind paarweise angeordnet. Oben sitzt der Gehäusestift (Driver Pin), unten der Kernstift (Key Pin). Steckt der richtige Schlüssel im Schloss, liegt die Trennstelle jedes Stiftpaares genau an der Kante, an der Kern und Gehäuse aufeinandertreffen. Diese Linie heißt Scherlinie. Dann lässt sich der Kern drehen und das Schloss ist offen. Beim Lockpicking bringen wir die Trennstelle jedes Stiftpaares, also jeder „Stiftsäule“, auf die Scherlinie, drehen den Kern und öffnen so das Schloss.

Stiftzylinder mit eingezeichneter ScherlinieEin Stiftzylinder, dessen Stiftpaare (je ein Gehäusestift und ein Kernstift) sich beim richtigen Schlüssel an der Scherlinie treffen

Weil Stiftzylinder die verbreitetsten Schlösser sind, schließlich sperren wir unsere Haustüren damit ab, gibt es eine Fülle von Werkzeugen und Techniken, um sie zerstörungsfrei und ohne Schlüssel zu öffnen.

Und was ist mit Stiftzuhaltungsschlössern?

Ein Stiftzuhaltungsschloss arbeitet mit Stiften unterschiedlicher Länge, die es verriegelt halten, bis der richtige Schlüssel steckt. Dieser Mechanismus steckt in den meisten Zylinderschlössern, deshalb spricht man auch von Stiftzylindern oder Stiftzuhaltungszylindern. Der oben gezeigte Europrofilzylinder ist ein typisches Beispiel.

Wie das berühmte Yale-Schloss hat auch das Stiftzuhaltungsschloss Gehäuse- und Kernstifte, die an der Scherlinie ausgerichtet sein müssen, damit sich der Kern dreht und die Tür aufgeht. Die Abbildung oben zeigt Ihnen, wie es innen aussieht. 

Die Sets, die die meisten Menschen als Dietriche kennen, also lange, flache Stahlwerkzeuge mit unterschiedlichen Spitzen, sind vor allem dafür gemacht, die Stifte in diesen Zylindern zu picken. Die zwei wichtigsten Techniken dafür sind:

  •         Single Pin Picking
  •         Raking

Single Pin Picking (SPP) bedeutet, dass jeder Stift einzeln gepickt wird. Unter Lockpickern gilt das als das eigentliche Lockpicking.

Wenn Sie sich als Lockpicker verstehen wollen, der die Stifte am Feedback erkennt, führt an dieser Technik kein Weg vorbei. Beim SPP lernen Sie, genau auf das Innenleben des Schlosses zu achten, vom richtigen Drehmoment bis zum Klemmen der einzelnen Stifte. Dieses Verständnis macht Ihr Picken präziser und schont das Schloss, weil Sie keine hektischen Bewegungen machen. Für Stiftzylinder ist es außerdem die wirkungsvollste Technik und bringt Ihnen die meisten Erfolge. Sie braucht allerdings Zeit und viel Übung, um diese Königsdisziplin des Lockpickings zu meistern.

Dafür brauchen Sie einen Hakendietrich, mit dem Sie die Stifte einen nach dem anderen in der richtigen Reihenfolge anheben und setzen. Mit einem Spanner (auch Spannwerkzeug, Drehmomentwerkzeug oder Tensioner genannt) bringen Sie dabei Drehmoment auf den Kern, während Sie die einzelnen Stifte picken. 

Mit dem Spanner erzeugen Sie zwischen Kern und Gehäuse eine kleine Kante an der Scherlinie. Genau an dieser gedachten Linie sitzen die Stifte, die den Kern am Drehen hindern. Stellen Sie sich die Scherlinie als den Punkt vor, an dem der Kern (der innere Zylinder) endet und das Gehäuse beginnt. 

Durch die Spannung entsteht diese Kante, nur Bruchteile eines Millimeters breit. Drücken Sie einen Stift hoch, kann er sich darauf absetzen. Die Stiftpaare müssen sich an der Scherlinie treffen, also genau an der Kante des Kerns. Spannung ist beim Lockpicking entscheidend, und genau dafür ist der Spanner da.

Es braucht Übung, mit dem Spanner die richtige Kraft zu dosieren. Als Faustregel gilt: Üben Sie beim Anheben der Stifte nicht zu viel Druck aus, sonst verklemmen die Stifte, rutschen unter die Scherlinie und machen Ihnen die Arbeit doppelt so schwer, denn Sie picken ja jeden Stift einzeln.

Kurz gesagt: Mit diesem Prinzip öffnen Sie ein Schloss Stift für Stift, drehen den Kern und bekommen Ihre Tür oder Ihr Vorhängeschloss ohne den passenden Schlüssel auf. Es gibt viele ausgezeichnete Bücher und Anleitungen , die Ihnen Schritt für Schritt zeigen, wie das geht.

Dietriche für Single Pin Picking an Stiftzylindern

Ein modernes Dietrich-Set für Stiftzylinder

 

Raking bedeutet, dass Sie alle Stifte gleichzeitig bearbeiten.

Eine großartige Technik für Einsteiger, die ihr erstes Schloss öffnen wollen, und schon nach etwas Übung stellen sich Erfolge ein. Einige Raking-Techniken funktionieren mit den meisten Standarddietrichen, inzwischen gibt es aber eine große Auswahl an Rakes, die speziell dafür gebaut sind. Die meisten modernen Dietrich-Sets enthalten ein paar dieser Rakes und ein oder zwei Spanner, mit denen Sie die Stifte bearbeiten und das Schloss öffnen.

Wie beim SPP erzeugen Sie auch beim Raking mit dem Spanner eine Kante. Statt die Stifte einzeln zu picken, raken Sie alle gemeinsam, bis jeder auf der Kante an der Scherlinie sitzt und sich der Kern dreht. Ohne Spanner kommen Sie mit dem Rake nicht weit. Üblicherweise setzen Sie ihn unten im Schlüsselkanal an (BOK-Spanner). Unter Lockpicking-Fans wird aber der Spanner für oben im Schlüsselkanal (TOK-Spanner) immer beliebter.  

Spanner oben oder unten im Schlüsselkanal?

Jedes gute Dietrich-Set enthält eine Auswahl solider Spannwerkzeuge. Achten Sie auf beides: Spanner für oben im Schlüsselkanal (TOK)und Spanner für unten im Schlüsselkanal (BOK) , denn Auswahl bei der Spannung hilft Ihnen enorm.

Welchen der beiden Typen Sie wählen, hängt vom Einsatz ab, etwa von der Form des Schlüsselkanals, und von Ihrer Vorliebe. Viele beginnen mit BOK und wechseln später zu TOK.

Spanner für oben im Schlüsselkanal

Ein Satz TOK-Spanner für oben im Schlüsselkanal.

 

Die meisten Hersteller bieten hervorragende Dietrich-Sets für Single Pin Picking und Raking an, mit einer breiten Auswahl an Dietrichen, Haken und Rakes sowie passenden Spannern für jedes Budget und jeden Anspruch. Hier einige Sets für den Einstieg ins Lockpicking oder zum Verfeinern Ihrer Technik:

Stiftzylinder lassen sich mit diesen Techniken zerstörungsfrei öffnen:

 

ZUHALTUNGSSCHLÖSSER

Zuhaltungsschlösser sind für die meisten Lockpicker der nächste Schritt, weil sie weit verbreitet sind und eine echte Herausforderung bieten. Nach dem Stiftzylinder sind sie die meistgenutzten Schlösser. Erfunden hat sie ein weiterer Engländer, Robert Barron, der 1778 sein „Double Lever Lock“ entwarf. Den Markt eroberte jedoch Chubb, und die Beliebtheit der Chubb-Schlösser führte dazu, dass viele sie einfach „Chubb-Schlösser“ nennen.

Zuhaltungsschlösser: ein weiterer Schlosstyp

Das Grundprinzip beruht auf mehreren Zuhaltungen mit Aussparungen, den sogenannten Toren, die auf unterschiedliche Höhen angehoben werden müssen, damit sich der Riegelstift bewegen kann und die Tür entriegelt. Wenn Sie den Schlüssel einstecken und drehen, heben die unterschiedlich hohen Einschnitte am Bart alle Zuhaltungen genau auf die richtige Höhe. Die Tore liegen dann exakt übereinander und bilden einen Durchgang für den Riegelstift. Der letzte Einschnitt am Schlüssel ist der Riegelschieber: Während sich der Schlüssel dreht und die Zuhaltungen anhebt, schiebt er gleichzeitig den Riegel. Weil die Tore richtig ausgerichtet sind, bewegen sich Riegel und Riegelstift frei, fahren ins Gehäuse zurück und das Schloss ist offen.

 Zuhaltungsschloss als Einsteckschloss

Das Innere eines Einsteck-Zuhaltungsschlosses

Das Prinzip bleibt gleich, egal wie viele Zuhaltungen verbaut sind. Innentüren haben oft zwei oder drei, Außentüren fünf oder mehr. Auch Vorhängeschlösser mit Zuhaltungen gibt es in vielen Varianten, Funktion und Öffnungsprinzip sind identisch.

Zuhaltungsmechanismen finden Sie vor allem in Haustüren und in Vorhängeschlössern.

Einfache Zuhaltungsschlösser lassen sich mit zwei rechtwinklig gebogenen Drähten öffnen. Mit dem einen üben Sie Druck auf den Riegel aus, mit dem anderen heben Sie die Zuhaltungen an. Sobald Sie mit einem Spanner Spannung auf den Riegel geben, entsteht eine winzige Kante, ganz ähnlich wie die Scherlinie beim Stiftzylinder. Ist diese Kante da, nur Bruchteile eines Millimeters breit, können Sie die Zuhaltungen anheben, bis sie darauf aufsitzen. Komplizierter wird es, wenn der Mechanismus zusätzliche Sicherheitsmerkmale hat. Manche Hersteller arbeiten zum Beispiel mit abwechselnd hohen und tiefen Toren, was das Picken erschwert. Zuhaltungsschlösser mit fünf Zuhaltungen in Wohnhäusern (meist Einsteckschlösser) haben häufig einen „Curtain“, eine Sperrscheibe, die verhindert, dass Sie zwei Drähte einführen. Dafür gibt es Curtain-Picks, ein Spezialwerkzeug, mit dem Sie den Curtain umgehen, Spannung auf den Riegelstift geben und die Zuhaltungen einzeln picken. Zuhaltungsschlösser ohne Curtain öffnen Sie mit einem sogenannten 2-in-1-Pick, den es in verschiedenen Stärken gibt, weil auch die Schlösser unterschiedliche Maße haben. 

Curtain-Pick von RB Locktools

RB Locktools Curtain-Pick

 

Kurz gesagt: Wenn Sie lernen möchten, Zuhaltungsschlösser zu öffnen, haben Sie bei einem einfachen Mechanismus mit ein paar gebogenen Drähten und einem improvisierten Spanner vielleicht Glück. Seien Sie aber vorsichtig mit Haushaltsgegenständen wie Messer, Haarnadel oder Kreditkarte als Dietrich oder Spanner, denn dabei können sowohl der Gegenstand als auch das Schloss Schaden nehmen. 

Oder Sie greifen zu einem speziellen Werkzeug, das für eine bestimmte Stärke oder mehrere Stärken gebaut ist. Einige Beispiele:

Für hochwertigere Zuhaltungs-Vorhängeschlösser gibt es eigene Werkzeuge, die das Spannen und Anheben der Zuhaltungen deutlich erleichtern.

  •         Chubb Battleship Pick
  •         Chubb Cruiser Pick
  •         ERA Big 6 Pick
  •         ERA Insurance Pick

 

PLÄTTCHENSCHLÖSSER

Plättchenschlösser sind längst nicht so verbreitet wie Stiftzylinder und Zuhaltungsschlösser, aber trotzdem wichtig, denn sie stecken in Millionen von Autos. Auch an Schubladen, Spinden und manchen Vorhängeschlössern werden Sie ihnen begegnen.

Das erste dokumentierte Plättchenschloss geht auf ein Patent von Philo Felter aus dem Jahr 1868 zurück. Felters Schloss war doppelseitig, hatte also zwei Plättchenreihen, und der Schlüssel war an beiden Kanten profiliert.

Das Prinzip ähnelt dem Stiftzylinder: Federn drücken Sperrelemente ins Gehäuse und hindern den Kern am Drehen. Statt Stiften verwenden Plättchenschlösser aber flache, einteilige Metallplättchen, die Wafer. Es gibt ein- und doppelseitige Plättchenschlösser. Zum Verständnis beginnen wir mit dem einseitigen Typ, wie Sie ihn von Spinden kennen.

Nur drei Jahre nach Felter erfand Hiram S. Shepardson das einseitige Plättchenschloss mit nur einer Plättchenreihe. Es war günstiger in der Herstellung, weniger anfällig für Schäden und setzte sich deshalb im Handel durch.

 

Plättchenschloss, wie man es von Spinden kennt

Ein Plättchenschloss, wie man es von Spinden kennt, mit herausragenden Plättchen

Eine Feder drückt die Plättchen durch den Kern hindurch, bis sie unten ins Gehäuse ragen. So kann sich der Kern nicht drehen und das Schloss bleibt zu. Mit dem richtigen Schlüssel werden die Plättchen angehoben, aber nicht zu weit, sonst ragen sie oben ins Gehäuse und blockieren den Kern erneut, sondern gerade so weit, dass sie mittig im Kern „schweben“. Drehen Sie dann den Schlüssel, ist der Kern frei und das Schloss öffnet sich.

Weil Plättchenschlösser ähnlich aufgebaut sind wie Stiftzylinder, nur ohne Gehäuse- und Kernstifte, können Sie sie mit denselben Dietrich-Sets öffnen. Sie geben mit dem Spanner die nötige Spannung, führen einen Dietrich ein und picken die Plättchen einzeln. Ziel ist, jedes Plättchen an die Scherlinie zu bringen, damit sich der Kern dreht. Man könnte es Single Wafer Picking nennen. Auch Raking funktioniert bei Plättchenschlössern oft recht gut.

Es gibt auch einige Werkzeuge speziell für Plättchenschlösser. Bei ihnen sind Spanner und Rake in einem Werkzeug vereint. Sie führen es ein, geben Spannung, um die Kante zu erzeugen, und raken vor und zurück oder wackeln auf und ab, nach links und rechts. Geben Sie dabei nur wenig Drehmoment und widerstehen Sie der Versuchung, trotz der Wackel- und Rake-Bewegungen zu viel Druck aufzubauen.

Für die anspruchsvolleren Plättchenschlösser in Autos gibt es hochspezialisierte Werkzeuge, die nach ihrem Hersteller benannten „Lishi Picks“. Jedes Werkzeug ist für ein bestimmtes Schlossmodell gebaut. Eine Skala außen am Schloss zeigt Ihnen, wo sich die Pickspitze befindet und wann sie auf einem Plättchen liegt. So picken Sie mithilfe der Skala ein Plättchen nach dem anderen. Inner-Groove-Picks nutzen die Profilierung im Schloss als Führung beim Einführen und bearbeiten wie ein Rake alle Plättchen gleichzeitig. Unter Drehspannung setzen sich die Plättchen beim Raken auf die Kante, und sobald alle „gesetzt“ sind, öffnet das Schloss:

 

Lishi Pick für Plättchenschlösser an Autos

Lishi Pick für Plättchenschlösser an Fahrzeugen

 

BUNTBARTSCHLÖSSER

Buntbartschlösser gibt es schon seit dem alten Rom, heute sind sie aber kaum noch verbreitet. Meist finden Sie sie an historischen Gebäuden und Gegenständen, wo der „alte“ Look erhalten bleiben soll. Selten sind sie, weil sie wenig Sicherheit bieten. Ein Buntbartschloss hat einen sehr einfachen Drehmechanismus, für den es einen Schlüssel braucht. Es lässt sich aber vergleichsweise leicht überwinden, weil es im Grunde gar nicht verriegelt ist: Wer an die Rückseite des Schlosses gelangt, kann den Mechanismus drehen und es öffnen.

 

Schlosstypen: Buntbartschloss mit Schlüssel als Beispiel

Am besten erklärt das der ursprüngliche „Skelettschlüssel“. Viele neuere Werkzeuge wurden später ebenfalls so genannt, das Original war aber für Buntbartschlösser gemacht. Der Name kommt daher, dass dem Schlüssel der Bart weitgehend entfernt wurde und nur ein Drehwerkzeug übrig blieb, der Schlüssel also auf sein „Skelett“ reduziert ist.

 Schlosstypen: Buntbartschlüssel (links) und Skelettschlüssel (rechts)

Links: Buntbartschlüssel. Rechts: Skelettschlüssel für Buntbartschlösser

 

Die Metallsperren im Schloss, die sogenannten Besatzungen (Wards), verhindern, dass Sie an die Rückseite des Schlosses gelangen. Anders als bei den bisherigen Schlössern blockiert hier nichts den Kern, keine Stifte und keine Plättchen. Stattdessen versperren Hindernisse den Weg zum Drehmechanismus. Der richtige Schlüssel ist so geschnitten, dass er sich einführen und drehen lässt, ohne an diese Besatzungen zu stoßen. Der Skelettschlüssel hat die Schwachstelle offengelegt: Entfernt man vom Schlüssel alles außer dem Drehteil, sind die Besatzungen kein Hindernis mehr, und das Drehteil erreicht mühelos die Rückseite des Schlosses und entriegelt es.

Viele Buntbartschlösser lassen sich statt mit Spanner und Dietrich wie bei Stift- oder Plättchenschlössern schon mit etwas gebogenem Draht öffnen. Es gibt ein sehr einfaches, bekanntes Set namens „Warded Lock Picks“, mit dem Sie die meisten gängigen Buntbartschlösser öffnen, und das sind in der Regel Vorhängeschlösser:

 

SCHEIBENZUHALTUNGSSCHLÖSSER

Scheibenzuhaltungsschlösser (Disc Detainer) erfand Emil Henriksson 1907. Wenige Jahre später wurden sie unter der Marke Abloy gefertigt, dem Unternehmen, das er gründete. Diese Schlösser arbeiten mit drehbaren, geschlitzten Zuhaltungsscheiben. Der richtige Schlüssel dreht die Scheiben, ähnlich wie die Zahlenscheiben eines Hochsicherheitstresors, bis alle Schlitze in einer Linie liegen. Dann fällt eine Seitenleiste (Sidebar) in die Schlitze und das Schloss ist offen.

Schlosstypen: Scheibenzuhaltungsschloss

Ein Standard-Scheibenzuhaltungsschloss

 

Da Scheibenzuhaltungsschlösser anders als Stiftzylinder und Plättchenschlösser ohne Federn auskommen, werden sie oft unter rauen Bedingungen im Freien eingesetzt, wo Wasser, Salz oder Sand ihnen kaum etwas anhaben.

Gut gefertigte Scheibenzuhaltungsschlösser, bis heute meist von Abloy, gelten als sicherer als die meisten anderen Schlösser. Die vielen, vielen billigen Kopien lassen sich dagegen oft recht leicht und mit günstigem Werkzeug picken.

Bei diesen Kopien lässt sich das Prinzip der klemmenden Stifte auf die Scheiben übertragen. Sie können normale Lockpicking-Werkzeuge für Stiftzuhaltungen (Dietrich und Spanner) verwenden oder Spezialwerkzeug, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das Öffnen eines nachgebauten Scheibenzuhaltungsschlosses anfühlt.

Und wie öffnen Sie ein echtes Abloy? Für originale Scheibenzuhaltungsschlösser brauchen Sie robustere, erstklassige Picks, um ihre hohe Sicherheit zu überwinden. Andernfalls verbiegt sich das Werkzeug oder verliert seine Form.

 

Das war im Wesentlichen alles. Meist werden Sie es mit Stiftzylindern zu tun haben, weil sie am häufigsten vorkommen, aber alle anderen Typen finden Sie oben ebenfalls! 

Das haben Sie in diesem Leitfaden gelernt:

  • Wie Sie die Schließmechanismen der heute gängigsten Schlösser erkennen
  • Wie Sie ein Schloss nach Mechanismus und Eigenschaften picken
  • Wie Sie Stiftzylinder picken
  • Wie Sie Hochsicherheitsschlösser und seltenere Schlösser picken
  • Welches Dietrich-Set zu welchem Schlosstyp passt
  • Wie Sie eine Kante erzeugen und Stifte oder Plättchen an der Scherlinie setzen
  • Wie Sie mit dem Spanner Spannung oder Druck aufbauen 
  • Welche weiteren Werkzeuge Sie nutzen können, etwa improvisierte oder speziell gefertigte Dietriche und Spanner

Wir hoffen, das hilft Ihnen weiter. Sagen Sie uns gern Bescheid, wenn Sie weitere Informationen zum ersten Öffnen eines Schlosses oder zu den Grundlagen des Lockpickings wünschen. Wenn Sie anspruchsvollere oder kompliziertere Vorhängeschlösser öffnen lernen möchten, kontaktieren Sie uns für mehr Informationen. Wir sind auf Dietrich-Sets für Einsteiger und Profis spezialisiert, weil wir Lockpicking ernst nehmen.

Bereit für Ihr erstes Schloss? Auf viele schöne Stunden beim Lockpicking und auf Ihre erste Öffnung!

Chris, ukbumpkeys.com